bahnfahren ist ...? //

westbahn by cristina colombo

bahnfahren ist öffentlicher verkehr - aber wie?

möglichst oft mit der bahn fahren und das auto dafür stehen lassen - so hat es mir nicht nur ein freund schon seit jahren geraten, es wäre auch viel öfter vernünftig gewesen, als bisher geschehen. doch seit dem immer häufiger werdenden umstieg auf die schiene erlebe ich zunehmend, dass "die bahn" offensichtlich auf eine bestimmte gruppe von menschen sicher nicht angewiesen ist - die kundInnen.

da kann es schon vorkommen, dass 25 minuten vor abfahrt des zuges nicht ausreichen, weil von 3 fahrkartenautomaten einer überhaupt nicht funktioniert, der zweite nur bargeld aber keine karte akzeptiert und beim dritten sich eine ewig lange schlange bandelt.

die zwei jungen mädchen ganz vorne brauchen eine halbe ewigkeit, sich einig zu werden, ob sie nun beide eine karte gemeinsam oder jeweils einzeln lösen, für die rückfahrt auch gleich und so weiter und so fort. hinter den beiden jungen damen ein jetzt schon hilflos blickender älterer herr, für den "touchscreen" und "ladezeiten" so fremd sind wie jene länder, in die nicht einmal ein zug fährt.

ein kurzer verstohlener blick richtung schalter ist umsonst, denn langzeittherapien nach dem motto "was wäre wenn ich nach paris über udine fahre und in stockholm einen zwischenstopp einlege" werden dort abgefeiert wie schwarze messen der bahnreligion.

also zweieinhalb minuten vor abfahrt des zuges doch noch geschafft, die ewig sich ringelnden "bitte warten" symbole auf dem automaten geduldig über sich ergehen zu lassen und schliesslich im laufschritt richtung zug zu starten.

frühstück? nein! dieser zug hat keinen speisewagen. ledis en dschendlmen welkam on boad of de kaiser karl drein tu wienna. senwitsch will bi brohd tu ju.

but this is not for everyone! willst du schon in linz aussteigen, dann kannst du dein ohnehin mickriges käsekornweckerl vergessen, der gute mann mit seinem rollenden -- hygienisch reinen ?? -- nein -- wagen kommt auf der fahrt von salzburg nach wien in deinem wagon natürlich erst in st.pölten. aber da bist du ja schon ausgestiegen. pech gehabt. oder glück - wie mans sehen mag. denn auf der retourfahrt das wienerschnitzel mit pertersilkartoffel hätte gute jobchancen als dauerdeko im schaufenster eines jener gasthäuser, die 50 jahre lang die gleiche vitrinenausstattung haben, ja, gleich neben der ewigen speiskarte, den mitteilungen des kameradschaftsbundes und dem frischfischaquarium.

und der tisch war mindestens so "sauber" wie das bordrestaurant in der früh, der sitz und der boden. glücklich wer sich den gang aufs wc verkneifen kann.

ab kommendem... irgendwas... steigen wieder die preise. und al gore kennt unsere bahn nicht. öffentlicher verkehr? ja, wäre schön.

text: bernhard jenny foto: cristina colombo


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